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Jahr |
1965 | Archiv |
AHM | ||
Bezeichnung |
1965 - "Brummer auf Abschiedsfahrt" - Artikel aus dem "Telegraf" vom 14. März 1965 (Original-Zeitungsausschnitt) | ||||
Volltext |
Oben war es oft nicht ganz richtig Brummer auf Abschiedsfahrt Nun hat auch der A 32 ausgedient - Dafür neue Doppeldecker Dem Obus flicht die Nachwelt keine Kränze, und ein großes Abschiednehmen wird es wohl kaum geben, wenn am Montag in acht Tagen der letzte Oberleitungsbus vom Breitenbachplatz zum Depot am Hindenburgdamm in die Endrunde geht. Alle fanden es selbstverständlich, daß die elektrisch betriebenen Wagen so leise waren und niemals Übel hinter sich herdufteten. Jeder aber schimpfte, wenn wieder einmal etwas an der Oberleitung entzwei war. Wer mit einsteigen will und die Hoffnung auf abmontierbare Souveniers - Vorsicht, Hochspannung, Lebensgefahr — hegt, sollte zumindest die letzte Abfahrtszeit wissen: In der Sonntagnacht zum Montagmorgen, am 22. März um 1.15 Uhr, fährt der letzte Wagen. Irgendwelche amtliche Feierlichkeiten sind schon aus Gründen anderer Behördendienstzeiten kaum zu erwarten. Ob die elf alten Obusse noch verkäuflich sind, wird sich erweisen. Die neuen Wagen auf der Strecke nach Marienfelde fahren jedenfalls mit Dieselmotoren. Beim letzten Bus wird das Thema allerletzte Straßenbahnen wieder einmal aktuell. Darüber sprachen wir mit Oberflächen-Abteilungsleiter Piefke von der BVG. Eine Sorge ist die BVG nun los, seit dem 5. März konnte sie auch die letzten 25 Mietwagen entbehren. Als die Westberliner nach dem 13. August jede S-Bahn-Fahrt möglichst mieden, wuchs der Mietwagenpark auf bis zu 150 Busse aus Berlin und 60 aus dem Bundesgebiet. Jetzt verfügt die BVG über 1400 eigene Busse, das reicht endlich aus. Im kommenden Jahr werden es noch einmal 100 mehr sein, doch dann wird die Tendenz allmählich wieder rückläufig. Der Ausbau des U-Bahn-Netzes entlastet den Oberflächenverkehr. Am 2. Mai wird der Straßenbahnbetrieb auf der Linie 95 zwischen Mehringplatz und Sonnenallee durch Busse abgelöst. Wo jetzt am Übergang Sonnenallee noch Schienen sind, entsteht ein - leider unvermeidlicher - Bau für die Polizei, den Zoll und für Sanitäter. Am Jahresende löst der Bus A 77 die Straßenbahnlinie 15 mit veränderter Streckenführung nach Neukölln statt Kreuzberg ab. Bis zum Ende des nächsten Jahres gehen auch die Straßenbahnen 47 und 96 in die Endrunde. Voraussichtlich bis zum Ende dieses Jahrzehnts halten sich nur die Straßenbahnen 53, 54 und 55. Bei der 75 und 76 hat es sich wahrscheinlich schon Ende dieses Jahres „ausgebimmelt". Im Berufsverkehr beginnt die BVG schon wieder Autofahrer als Fahrgäste zurückzuerobern. Sie wird sich noch mehr anstrengen. Die neuesten Doppeldecker werden Sitzplätze für rund 100 Fahrgäste haben, und der Motor, einst vorn und jetzt meistens in der Mitte, steckt dann ganz hinten. Auf den allerletzten Platz am Stadtrand werden sich die Busse aber selbst nach Ausbau des Innenstadt-U-Bahn-Netzes trotz aller Expertenprognosen nicht verbannen lassen. Als Querverbindungen werden Busse auch im Citygebiet unentbehrlich bleiben. Das Beispiel Londons zeigt es. Ben Bildunterschrift: IN DIE ENDRUNDE GEHT der Obus A 32 am Montagmorgen in acht Tagen. Die braven Brummer waren still und stanken nie, doch meistens war es bei ihnen „oben nicht ganz richtig". Die Oberleitungsstangen waren den Kurven meistens nicht mehr gewachsen. Foto: Manthey | ||||
Abbildung |
1965-mfde-obus-abschied-presse-01.jpg | ||||
Quelle |
Archiv | ||||
Publikation |
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Presse | aktualisiert |
2026-07-27 |