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Jahr

1956

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Bezeichnung

1956 - Zeitungsbericht über die Villa von Heinrich Lübke in der Emilienstraße 16 - Anmerkung: das Datum ist geschätzt; Heinrich Lübke war von 1953 bis 1959 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Volltext

Hier wohnte Dr. Lübke Es ist sicher nicht allgemein be­kannt, daß unser Bundespräsident Heinrich Lübke lange Jahre Ber­liner Bürger war. Um 1930 erwarb er die 1913 von dem Direktor der Daimler-Werke, Otto, in der Emilienstraße 16 in Marienfelde erbaute Villa. Bis er 1945 zum Land­wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, wohnte Lübke in diesem Haus. Die Jahre, die Heinrich Lübke mit seiner Gat­tin hier in der Stille einer damals noch unberührten Villenlandschaft verlebte, waren angefüllt mit Freud und Leid. Lange hatte es gedauert, bis die in stiller Zurückgezogenheit lebenden Lübkes gute Nachbar­schaft zu der unweit wohnenden Familie des Professors Wilhelm Cauer fanden. Ein Blindgänger hatte sich in Lübkes Garten gewühlt. Zehn Me­ter tief lag er unter der Erde. Män­ner aus Hitlers KZ haben ihn aus-gegraben und entschärft. Natürlich unter Aufsicht der SS. Frau Lübke kochte Bohnenkaffee für die Män­ner, Stachelbeerkuchen gab es auch. Als Brandbomben Lübkes und Cauers Haus trafen, wurde gemein­sam gelöscht und aufgeräumt. Viel­leicht wäre alles noch viel schwerer gewesen, wenn der Westfale Lübke nicht alle angesteckt hätte mit sei- ner Ruhe, seinem stillen Humor und seiner Zähigkeit. Seine weißen Haare bekam der damalige Direktor einer Siedlungs-gesellscnaft in den achtzehn Mo­naten Untersuchungshaft, in denen er Auskunft geben sollte über den Verbleib des Vermögens der ehe­maligen Zentrumspartei. Heinrich Lübke hat geschwiegen. Er trat dann als Offizier ins Heer ein. Als die Russen nach Marienfelde kamen, erschossen sie den Mathe-matikprofessor Cauer. Seine Witwe ist den Lübkes noch heute freund­schaftlich verbunden. Die Häuser sind wiederaufgebaut. 1954 wurde die Lübke-Villa an das in nächster Nachbarschaft gelegene Mutter­haus der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau" als Schwesternaltersheim vermietet. Im vergangenen Jahr verkaufte der Bundespräsident seine Marienfelder Villa an einen Dr, Steiner. Bundespräsident Heinrich Lübke und auch seine Gattin, die heute, wenn sie in Berlin weilen, das Schloß Bellevue bewohnen, werden nie die Jahre in Marienfelde ver­ gessen. Felix Havenstein

Abbildung

1956-mfde-luebke-heinrich_zeitungsausschnitt.jpg

Quelle

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aktualisiert

2026-07-23